Kammermusik in Borstel und Sülfeld e.V.

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ca. drei Wochen vor dem Konzert stellen wir die Konzertinformationen zur Verfügung

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Adventskonzert

mit dem Ensemble

NeoBarock

am Samstag, dem 15.12.2018

 in der Kirche Sülfeld


Das Ensemble NeoBarock gehört in der Besetzung mit zwei Violinen, Violoncello und Cembalo zu den Spitzenformationen seiner Art. Gerne erinnern wir uns an das beeindruckende Konzert, dass das Ensemble NeoBarock in unserer Konzertreihe im Jahr 2014 gab, das Jahr, in dem das Ensemble mit dem begehrten Echo-Klassik Preis ausgezeichnet wurde.

Das Ensemble hat den künstlerischen Anspruch, zwischen der Musik vergangener Epochen und dem gegenwärtigen Hören zu vermitteln. Es ist ein außergewöhnliches, faszinierendes Klangerlebnis, das die Alte Musik unmittelbar ins Hier und Jetzt transportiert und die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschwinden lässt.

NeoBarock, gegründet von der Geigerin Maren Ries zusammen mit der Cellistin Ariane Spiegel, ist mit seinen exklusiven und dramaturgisch stringenten Konzertprogrammen Gast auf den Bühnen renommierter Konzerthäuser und zahlreicher bedeutender Festivals. In den vielbeachteten und unter anderem mit dem ECHO Klassik ausgezeichneten CD-Einspielungen für das Label ambitus hat sich NeoBarock wiederholt mit Johann Sebastian Bach und seinem Umfeld beschäftigt, sowie vergessene Komponisten wie Gottfried Heinrich Stölzel oder Johann Philipp Kirnberger wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

»Die stilistisch brillanten, dynamischen und leidenschaftlichen Auftritte von NeoBarock nehmen in der Bach-Interpretation des 21. Jahrhunderts eine wegweisende Spitzenposition ein.« (The Huffington Post, USA).

Die Musiker des Ensembles:

Maren Ries (Violine)

Anna Dmitrieva (Violine)

Ariane Spiegel (Violoncello)

Stanislav Gres (Cembalo)


Das Programm des Abends mit dem Titel:

WIE SCHÖN LEUCHTET DER MORGENSTERN


Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704)

aus Rosenkranzsonaten: Nr. 1 „Die Verkündigung“

für Violine und Basso continuo

Praeludium – Variatio. Aria allegro/Adagio – Finale


Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Sonate G-Dur, op. 5 Nr. 4, HWV 399, London 1739

für 2 Violinen und Basso continuo

Allegro – A tempo ordinario/Allegro non presto –

Passacaille – Gigue. Presto – Menuet. Allegro moderato

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Salomone Rossi (1570?-1630)

Sonata sopra l’aria di Ruggiero, Venedig 1623

für 2 Violinen und Basso continuo


Domenico Gallo (1. Hälfte des 18. Jh.s)

Sonata I, G-Dur (früher G. B. Pergolesi zugeschrieben)

für 2 Violinen und Basso continuo

Moderato – Andantino – Presto

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Antonio Vivaldi (1678-1741)

Sonata „La Follia“, op. 1 Nr. 12, RV 63, Venedig 1705

für 2 Violinen und Basso continuo


Pause


Johann Heinrich Schmelzer (um1620-1680)

Sonata „Pastorella”

für 2 Violinen und Basso continuo


Anonym (17. Jahrhundert )

Sonata „Wie schön leuchtet der Morgenstern

für Violine und Basso continuo


Giuseppe Valentini (1680-1746)

Sinfonia a tre „per il Santissimo Natale“ op. 1 Nr. 12, Rom 1701

für 2 Violinen und Basso continuo

Largo/Andante – Allegro – Largo – Presto



Die Komponisten des Programms:

Der aus Böhmen stammende Komponist Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704)war auch ein berühmter Geiger seiner Zeit. Im Jahr 1670 war Salzburg seine wichtigste Wirkungsstätte. Biber schuf ein äußerst umfangreiches Werk aus Messen, Requien, zahlreichen Violinsonaten und Tafelmusiken. Bei wenigen Geigern und Komponisten vor seiner Zeit findet man so häufig Doppelgriffe, Dreier- und Viererakkorde wie bei Biber.

Die 15 Rosenkranz-Sonaten, von denen wir bei dem Konzert die erste Sonate hören, sind ein beeindruckendes zyklisches Werk. Durch den Einsatz von 14 verschiedenen Violinstimmungen (Skordaturen), die von der Normalstimmung des Instruments in Quinten abweichen,nehmen sie eine besondere Stellung in der Geschichte des Violinspiels ein.

Georg Friedrich Händel (1685-1759) ist so bekannt, dass man an dieser Stelle auf Kommentare verzichten kann.


Der Komponist und Geiger Salomone Rossi (um1570-1630) entstammte einer alteingesessenen italienisch-jüdischen Familie. Rossi wird als „Erfinder“ der barocken Triosonate angesehen. Rossis Spuren verlieren sich nach 1628; man nimmt an, dass er bei der österreichischen Invasion während des Mantuanischen Erbfolgekrieges ums Leben kam, entweder bei den damit verbundenen antisemitischen Ausschreitungen oder durch die darauffolgenden Seuchen.

Mehr als 200 Jahre nach Rossis Tod konnte Baron Edmond de Rothschild auf einer Italienreise insgesamt 52 vollständige Werke Rossis zusammentragen, die er kaufte und dem Kantor der großen Synagoge von Paris, Samuel Naumbourg, überließ. Es sollte weitere 100 Jahre dauern, bis Rossis Werke der Musikwissenschaft zur Verfügung standen.

Über das Leben des italienischen Komponisten und Violinisten Domenico Gallo ist nichts bekannt. Sein Geburtsdatum wird um 1730 vermutet. Sein Sterbejahr ist unbekannt

Antonio Vivaldi, Sonata „La Follia“. „La Follia“,„Die Verrücktheit“ – so nannten die Italiener jene langsame, einlullende Mollmelodie im Dreiertakt, die sich um 1600 von Spanien aus in Süditalien verbreitete. Wegen ihrer Eingängigkeit und der simplen Akkordfolge diente sie bald als Thema für Variationen auf den verschiedensten Instrumenten, und zwar nicht nur in Italien, sondern auch in Frankreich und Deutschland. Alessandro Scarlatti und Carl Philipp Emanuel Bach schrieben darüber bedeutende Cembalovariationen, Johann Sebastian Bach zitierte die Melodie mit eigenen Variationen in seiner „Bauernkantate“.

Am berühmtesten wurden drei Follia-Variationen für Streichinstrumente: Arcangelo Corelli krönte den Zyklus seiner zwölf Violinsonaten Opus 5 im Jahre 1700 mit seiner Follia für Violine und Basso continuo. Fünf Jahre später forderte ihn der junge Venezianer Antonio Vivaldi heraus, in dem er sein eigenes Opus 1 mit Follia-Variationen für zwei Violinen und Continuo abschloss. Den Handschuh der beiden Italiener griff wiederum der größte französische Gambist der Epoche auf, um zu beweisen, dass man auch auf der Viola da gamba das Thema virtuos behandeln könne: Marin Marais veröffentlichte seine Follies d’Espagne in seinem vierten Gambenbuch 1725.


Der österreichische Violinist, Komponist und Kapellmeister Johann Heinrich Schmelzer zählte zu den bekanntesten Violinisten Österreichs. Schmelzer war der führende österreichische Komponist von Instrumentalmusik vor Heinrich Ignaz Biber und hatte entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung von Sonate und Suite. Ohne sein Wirken wären die Leistungen seines Schülers Heinrich Ignaz Biber nicht möglich gewesen. Er hinterließ ein sehr reichhaltiges Oeuvre, war aber lediglich als Komponist von Instrumentalmusik einflussreich (Ballett-Musik, Kammermusik).


Der 1682 bei Florenz geborene Guiseppe Valentini war ein bekannter italienischer Komponist und Violinist. Ab 1718 war Valentini für 30 Jahre als Violinist und Komponist am
Collegio Nazareno tätig, gleichzeitig wirkte er an Santa Maria Maggiore, wo er ab 1736 auch Kapellmeister in der Cappella Borghese war.

Die Kompositionen des zum Teil freischaffenden Musikers fanden schnell europaweite Verbreitung. Mehrere Werksammlungen wurden gedruckt, ebenso finden sich zahlreiche Manuskripte in den Bibliotheken von Manchester, Dresden und Rom. Seit den letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts werden seine Werke wiederentdeckt und aufgeführt, nachdem Valentini fast völlig in Vergessenheit geraten war. Sie zeichnen sich durch manche Innovation aus, so versucht er durch Originalität und überraschende musikalische Gedanken seine Hörer zu faszinieren. Als Virtuose nimmt Valentini eine wichtige Stellung in der Geschichte des Violinspiels ein.

Über seine musikalische Tätigkeit hinaus betätigte sich das Multitalent Valentini auch als Maler und Dichter.

(Quellen: Wikipedia, Kammermusikführer Villa Musica, NeoBarock)



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(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen,  E-Mail: kammermusik-borstel@web.de)