Kammermusik in Borstel und Sülfeld e.V.

Herrenhaus Borstel

Adresse

Herrenhaus Borstel
im Forschungszentrum Borstel - Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften
Parkallee 1
23845 Borstel

Achtung, es gibt im Kreis Segeberg ein zweites "Borstel"! Unser Borstel liegt bei Sülfeld. Beachten Sie die Postleitzahl, damit Sie satellitengesteuert richtig ankommen,  oder siehe "Anfahrt".

Geschichte

Die Geschichte des adligen Gutes Borstel reicht bis auf das 13te Jahrhundert zurück. In der Mitte des 15ten Jahrhunderts übernahm durch Heirat das Geschlecht der von Buchwaldts die Herrschaft über Borstel, die sie über mehrere Generationen erfolgreich ausübte. Der Besitz wurde kontinuierlich erweitert. So gehörten neben vielen umliegenden Dörfern auch die Güter Jersbek und Stegen zu ihrem Herrschaftsbereich, später kam Wulksfelde hinzu. Im Jahre 1588 kam es zur Teilung, nachdem sich die Söhne des verstorbenen Jasper von Buchwaldt über das Erbe nicht einigen konnten. Jersbek und Stegen wurden abgetrennt. Mehrere Generationen folgten. Von Bedeutung ist Friedrich von Buchwaldt, der das Gut im Jahre 1739 erbte,  das zwei Jahre zuvor durch Feuer vernichtet worden war. Friedrich, ein hochgebildeter Mann und Geheimrat des holsteinischen Herzogs, entschloss sich, entfernt von den Wirtschaftsgebäuden ein neues Herrenhaus zu errichten, das seinem Repräsentationsbedürfnis entsprach. Es wurde 1751 vollendet und gehört zu den seltenen barocken Bauwerken nördlich der Elbe. Die großzügige und ausgewogene Architektur des Gebäudes erschließt sich dem Besucher am besten bei einem Rundgang. Wie eine "Bauskulptur" fügt sich das Haus mit seinen ovalen Seitenpavillons in den Garten ein. Leider kann der Baumeister bisher nicht zweifelsfrei benannt werden.

Das Haus und das zugehörige Gut erlebten in den folgenden Jahrhunderten eine wechselvolle Geschichte. Zunächst ging durch Heirat der Besitz an den dänischen Staatsminister Hartwig Ernst Graf von Bernstorff  über, der sich als Außenminister des dänischen Staates große Verdienste erworben hat. Sein Neffe Andreas Peter von Bernstorff,  ebenfalls im dänischen Staatsdienst tätig, übernahm das Anwesen im Jahre 1772. Beide haben entscheidend dazu beigetragen, die Leibeigenschaft ihrer Bauern aufzuheben. Gäste des Herrenhauses aus dieser Zeit waren F. G.Klopstock, J. H. Voß und Matthias Claudius.

Weitere Besitzerwechsel folgten. Die letzten  adligen  Besitzer waren die  Grafen  von Baudissin, die das Gut Borstel 1838 erwarben und zu einer neuen Blüte führten. Etwa 1930 endete die Zeit des adligen Gutes, 1938 wurde das Herrenhaus an das Deutsche Reich verkauft, die Ländereien wurden aufgesiedelt.

Das Herrenhaus beherbergt heute die Bibliothek und Repräsentations- Schulungs- und Konferenzräume des Forschungszentrums Borstel - Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften, an das die westlich gelegene Medizinische Klinik angegliedert ist. Das Gebäude, das von 2002 bis 2006 saniert und vollständig restauriert wurde, zeigt sich heute in seiner repräsentativen Schönheit, auch wenn durch klassizistische Überarbeitungen nur noch Teile der ehemaligen Rokoko-Innengestaltung erhalten sind. Im Jahre 2012 wurden die Arbeiten zur Wiederherstellung der ursprünglichen Form der Auffahrt und eines Teiles der ehemaligen Parkanlage abgeschlossen.

Kammermusik im Gartensaal

Über eine geschwungene Freitreppe betritt man die geräumige Diele, den "Erfrischungsort" während der Pause unserer Konzerte. Im linken  seitlichen Kabinett kann man noch Teile einer reichen Rokoko-Ausstattung bewundern. Von der Diele gelangt man in den zentral gelegenen, zum Park hin geöffneten achteckigen Gartensaal. Er ist neben dem Ovalen Saal das Prunkstück des Hauses und  der Konzertraum für alle unsere Konzerte, die vom Charakter her einen solchen Raum oder aber den dort vorhandenen Steinway-Flügel  benötigen. Der Saal bezaubert durch seine besondere Atmosphäre.
Die Stuckdekoration der Decken und auch die beiden offenen Kamine sind noch im originalen Zustand. Die Wände wurden im 19ten Jahrhundert klassizistisch umgestaltet. Bemerkenswert sind die Thorvaldsen-Reliefkopien der drei Grazien  über dem Rokoko-Kamin und die Stuckarbeiten in den Supraporten und Wandflächen, von denen der „Tanz der Musen” eine beziehungsvolle Verbindung zu unseren Konzerten herstellt.

Links zu unseren Partnern: 
Forschungszentrum Borstel
Verein zur Erhaltung und Pflege des Herrenhauses Borstel

Literatur- und Fotonachweis:
  • Wilhelm Sager: Vom adligen Gut zum Forschungszentrum, 2001, C.H. Wäser, Bad Segeberg
  • Wilhelm Sager: 250 Jahre Herrenhaus Borstel, Geschichte und Bedeutung
    Heimatkundliches Jahrbuch des Kreises Segeberg, 2001
  • Dr. Deert Lafrenz: Architektur und kunsthistorische Bedeutung des Herrenhauses Borstel, Festvortrag anlässlich der 250 Jahrfeier des Herrenhauses Borstel, Heimatkundliches Jahrbuch des Kreises Segeberg, 2001
  • Fotos: Forschungszentrum Borstel und Dr. N. Yassari, Hamburg
  • Bild im Text: Das Herrenhaus Borstel um 1850, Lithographie von A. Hornemann, Landesbibliothek Eutin

Fotos

   Vorderansicht des Herrenhauses 

   Gartenansicht im Winter

   Blick in den Gartensaal

   Der Steinway-Fluegel

   Kronleuchter im Gartensaal

  Relief der drei Grazien im Gartensaal

   Originale Wanddekoration im linken Kabinett

  Detail der Ledertapete im Kuenstlerraum